Hallo,
ja das Thema Aufziehen und archivfestigkeit hat wohl schon ganz Andere umgetrieben. Ich habe zwar noch nicht alles im "The Permanence and Care of Color Photographs" gelesen aber einige wichtige Punkte lassen sich schon rausfiltern.
Ein wichtiger Punkt ist, daß es durchaus eine generelle Gefahr für Langzeitschäden an einem Bild gibt, wenn es aufgezogen, d.h. vollflächig mit einem Trägerkarton verklebt, ist.Hauptsächliches Augenmerk bei entsprechenden Untersuchungen lag auf chemisch begründeten Schäden und quasi indirekt physikalischen Schäden.
Die chemischen Faktoren rühren aus den Inhalstoffen bzw. der Art des verwendeten Klebers her. Aber auch aus dem Zusammenspiel des Klebers mit den verklebten Materialien und deren Inhaltstoffen. Dann hängt natürlich das Auftreten und die Schwere bzw. das Voranschreiten einer evtl Schädigung auch noch von etwaigen begünstigenden Umwelteinflüssen ab; Wärme, Sonne, Feuchtigkeit, Ozon uvm.
Die physikalische Abteilung funktioniert nach dem Muster, daß der Trägerkarton (Aufziehkarton) meist in einem anderen Umfang auf Feuchtigkeitsschwankungen reagiert als das aufgezogene Bild. Es existiert hier, aus Bild und Karton, also ein Verbund, der sich dann wie ein Bi-Metall verhält, wenn z.b. die Luftfeuchtigkeit steigt. Der Karton würde sich dann mehr ausdehen als das Bild und die resutlierenden Spannungen würden dann über viele Jahre zu Rissen in den Emulsionen und Beschichtungen führen.
Man darf sich also nicht wundern, sollte mal ein Museum oder ein sehr engagierter Sammler ein Werk kaufen wollen, daß hier zumindest das Museum auf unaufgezogene Arbeiten bestehen wird...
Allerdings führt der Autor des Buches/Kapitels auch an, daß die meisten Bilder mit Schäden dann doch die unaufgezogenen sind, was aber nur eine persönliche Anmerkung sein soll. Außerdem gibt auch Überlegungen dahingehend, daß ein aufgezogenes Bild gegen knicken, sich wellen, und Ümwelteinflüsse mittelfristig besser geschützt ist als ein unaufgezogenes, letzterer Punkt mit der Begründung, daß ja nur eine Oberfläche des Bildes schädlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.
Neben dem ganzen technischen KrimsKrams darf aber auch ein anderer wichtiger Punkt, wenn nicht der wichtigste Punkt überhaupt, vergessen werden. Der ästhetische...
Nicht wenigen Fotografen und Bild-Interessierten dürfte es einfach angenehmer sein ein Bild zu betrachten, daß perfekt plan liegt. Es mag für viele auch "die " perfekte Art der Präsentation sein wenn ein Bild absolut eben und plan ist. Mir selbst, das darf ich wohl anmerken missfällt es schon wenn ein A4 Print Wellen schlägt, bei großen Abzügen wird das sogar noch deutlicher und das empfinde ich persönlich als ungemein ablenkend und störend... Ich habe grade Bilder von Andreas Feininger in einer Ausstellung gesehen, die bis auf wenige Ausnahmen nicht aufgezogen waren und habe da wieder einmal gemerkt, daß ich mich regelrecht daran erinnern mußte auf die Bilder zu gucken und nicht auf deren "Nichtplanlage"; naja jeder hat so seinen Tick nicht wahr
Wenn man sich nun also für das Aufziehen entscheidet sollte man aber auch nicht gleich das mieseste Verfahren wählen. So wie sich das in dem besagten Buch darstellt scheint das absolute "NoGo" das Aufziehen mittels flüssiger Klebstoffe zu sein, es sei denn es handelt sich ausdrücklich um eine Präsentation bei der die Ansprüche an die Haltbarkeit kein Problem darstellt.
Das traditionelle und wohl auch heute gängige Form ist das Heiß-Aufziehen (Trockenmethode - heiß). Hier wird eine dünne thermoplastische Kunststofffolie zwischen Bild und Karton gelegt, beides zueinander ausgerichtet und dann in einer Heizpresse verklebt. Bei handwerklich korrekter Arbeit ist das eine dauerhafte und zuverlässige Methode. Nachteil ist, die Pressen sind wirklich teuer. Nachteil ist aber auch, daß durch die teilweise recht hohen Temperaturen chemische Prozesse mit Langzeitwirkung eingeleitet werden können. Es wurden Untersuchungen gemacht, die allesamt keinerlei gute Langzeitstabilität vermuten lassen.
Die andere Methode trocken aufzuziehen ist die Verwendung einer doppelseitigen Klebefolie. Die Folien bestehen meist aus einer neutralen archivfesten sehr dünnen Trägerschicht die beidseitig mit einem Acrylatkleber beschichtet ist, der soweit man da an Infos herankommt, ebenfalls "unbedenklich" sein soll (wobei diese Aussagen in der Regel vom Hersteller kommen...). Diese Methode muß ebenfalls handwerklich gut durchgeführt werden und bringt dann ebenfalls eine zuverlässige Verbindung. Man braucht etwas Übung und bei normal großen Prints keine Spezial-Maschinen. Hier spielt Temperatur keine Rolle und kann somit auch keinerlei Chemische Reaktionen initiieren. Probleme hinsichtich der Langzeithaltbarkeit sind natürlich durch die Zusamensetzung des Klebers zu suchen. Untersuchungen hierzu scheinen jedoch nicht vorzuliegen. Diese Art des Aufziehens wird wohl aber als die günstigste Variante hinsichtlich der Langzeitstabilität, angesehen. Wobei dies scheinbar "Einschätzungen" und Vermutungen sind.
Also man kann sagen: Nix genaues weiß man nicht. Aber wenn man mal von Sicht der Archivierung einen Gang zurück schaltet und sich bewußt macht, daß für Farbdrucke und Epson K3 Tinten je nach Papier so über den Daumen bis zu 80 Jahre Haltbarkeit prognostiziert werden und weiter, daß für FineArtPrints eine mindest Haltbarkeit von 25 Jahren anzupeilen ist, dann sieht es nach dem was ich hier so rauslese, so aus, daß man ruhig Aufziehen darf, da die Schäden durch das Aufziehen auch erst in diesen entfernten Zeiträumen sichtbar werden. Und wenn man dann doch in Bereiche kommt in denen man wie erwähnt für Museen arbeitet muß, man das eben sein lassen...
So, was mir jetzt noch fehlt ist die Sache mit der Pufferung.
Ich werde berichten
Gruß
Sascha